Schluchtensteig

Schluchtensteig oder ein alter Mann auf Tour

So endlich komme ich mal dazu diesen Schluchtensteig zu laufen. Wie oft stand dieser schon auf dem Plan und immer wieder gingen Unwetter voraus und Teile der Wutachschlucht waren gesperrt. Diesmal war eher das Gegenteil es fehlte Wasser, das Wilde, das Tosende und so wurde es ein schöner ruhiger Lauf durch 4 Schluchten. Geplant sind 180km und bis Samstagabend oder -nacht.

Freitagmorgen ging es los um 8Uhr45 am Startpunkt in Stühlingen einen extra Parkplatz für Schluchtbesucher und das sogar ohne Parkgebühr. Wenn man da an Grindelwald oder Kempten denkt. Unterwegs sind hauptsächlich Etappenläufer, Verrückte wie meinerseits die so etwas in einen Zug durchlaufen habe ich keine angetroffen. Wetter war herrlich und so begab ich mich auf den Weg. Sehr schnell war man eingetaucht im Wald und ich war erstaunt über die Trails, die hier sofort begannen. Hatte diesen Anfang niemals vermutet. Alsbald ging es schon mal richtig hoch aber im Schatten des Waldes ganz angenehm. Bei dem Aussichtspunkt Wutachflühen ändert sich mal das Ganze, als offenes Land. Hier konnte sich die Sonne richtig zeigen und ich meinen freien Oberkörper, das Shirt musste runter. Es ging hoch auf den Buchberg vor allen heftig und dann noch der stechende Planet.

Oben angekommen ein schöner Fleck um auch mal eine kurze Pause zu machen wie es ein Ehepaar mit einem Vesper tat. Für mich hieß es weiter wieder hinunter und in die Schlucht. Blumberg war schnell durchlaufen bevor es zum Schleifenbachwasserfall ging. Der Wasserfall war mehr ein Rinnsal, aber die Badewanne davor reizte für eine Abkühlung und musste genutzt werden, herrlich wars. Danach war es weniger aufregend bis zur Wutachmühle. Hier beginnt die bekannte Wutachschlucht, das schmale Tal, das gerade noch die Wutach und einen Wanderpfad aufnimmt. An Wochenenden sehr häufig überlaufen und an ganz schmalen Pfaden staut sich der Wanderpulk an, das macht dann keinen Spaß mehr. Für mich der Teil, den ich noch nie betreten hatte und ich sehr gespannt darauf war. Zum Beispiel wo die Wutach komplett verschwunden ist und ein paar Meter weiter noch richtig vorhanden ist.

Im übrigen die Wutach war leise sie plätscherte nur vor sich hin im Normal Fall rauscht sie richtig und man spürt dann richtig die Gewalt, die von ihr ausgeht. Zurzeit ist die Wutach auf Grund des fehlenden Regens richtig zahm. Nach heftigen Regen ist die Schlucht teilweise gesperrt wegen Stein und Schlammlawinen sowie Baumbruch. Es ist immer wieder schön durch die Wutachschlucht zu laufen und bei diesen Temperaturen richtig angenehm kühl. Inzwischen kippte das Wetter, Blitze und Donner wechselten sich ab und der Regen setzte ein. Da ich schon die ganze Zeit mit freien Oberkörper lief, lief dieser auf meiner Haut schön ab. Bei der Schattenmühle kehrte ich mal ein vielleicht geht das Gewitter vorüber bis ich wieder zulaufe und wie schön es gibt einen Kaiserschmarren.

Der Kaiserschmarrn ist vertilgt es kann weiter gehen. Es regnet zwar noch aber was solls man hat ja schon darauf gewartet. Zuerst ging es mal kurz raus aus der Schlucht bis es nach ein paar Meter wieder abwärts ging. Am Räuberschloß vorbei, kurz das Schloss besucht da keine Räuber anwesend waren gleich wieder weiter. Mehrere Brücklen überquert bevor es wieder hinaus ging von der Schlucht. Lenzkirch, und es ist abends, die Gewitter werden stärker und der Regen heftiger also Zeit für das Abendessen. Nach Genuss der Gemüsemaultaschen wieder Aufbruch. Gewitter hat nachgelassen und es regnet immer noch und die Nacht ist hereingebrochen. Aber mit der Stirnlampe wird die Nacht zum Tag. Klar die Weitsicht ist weg aber dann sieht man schon nicht wo es wieder hochgeht. Es geht ein paarmal heftig nach oben und auch wieder runter zu meiner Freude. Schluchsee auf den Wegen des Schluchtseeslaufes und weiter Richtung St. Blasien. Kurz vor St.Blasien nochmals eine Schlucht an deren Ende der Windberg-Wasserfall. Hier nochmals zu Baden war doch für mich zu kühl. Weiter ging es nach Todtmoos. Die Strecke hoch und runter mal im Wald mal freie Sicht. Bei der Stirnlampe gibt der zweite Akku seinen Geist auf aber inzwischen nimmt das dunkle der Nacht ab.

Bei mir kehrt plötzlich eine Müdigkeit ein, die ein Laufen kaum möglich macht auch kein wandern. Es war ein torkeln und konnte mich kaum aufrecht halten ein kurzes einnicken während des Laufes. Wie ich es herbei sehnte erschien eine Hütte. Offene Hütte also eine Frischlufthütte mit Bänken. Mit Rucksack hingelegt, weiß nicht glaube ich habe schon geschlafen bevor ich richtig lag.

Fünfzehn Minuten später aufgewacht, aufgestanden und weitergelaufen als hätte ich die ganze Nacht geschlafen. Kurz vor Todtmoos die Hohwehraschlucht eine kurze Schlucht mit einem Rinnsal von Wasser und die erkennen lässt wie stark sie sein kann. Todtmoos gerade auch richtig für ein kleines Frühstück. Danach weiter Richtung Wehr, nach ca. 8km fängt auch hier die Schlucht an die Wehraschlucht.

Wehraschlucht hat einen ganz anderen Charakter. Wutachschlucht man ist ganz nahe am Wasser auch die zwei anderen kleinen Schluchten man spürt förmlich die Kraft des Wassers. Die Wehraschlucht man läuft in ca. 200m über dem Wasser an zum Teil richtig schmalen Pfaden, der Abgrund, unten das Getöse des Wassers. Für einem der Höhenangst hätte dreht hier durch mit dem müsste man nachts laufen. Irgendwann wechselt es auf die andere Seite man läuft dann oben über dem Stausee und kommt langsam wieder runter auf höhe der Staumauer. Es war wenig Wasser im Becken man sieht überall wie das Wasser fehlt. Am Samstag um 13Uhr habe Wehr erreicht nach 25Std, 131km, 4000Hm.

Der Plan wäre von hier wieder nach Stühlingen zu laufen also nochmals 80km. Inzwischen ist es 14Uhr. Das Navi eingestellt auf das neue Ziel und losgelaufen. Wieder ganz nach oben, das Navi bitte umdrehen, wieder umgekehrt. Etliches runter das Navi will nach rechts. Durch mit hohen bewachsenem Gras nach rechts abgebogen dann wieder umkehren es geht nicht weiter. Zwei Stunden umher geirrt es ist 16Uhr das heißt die nächste Nacht durch ein unbekanntes Gebiet ohne Stirnlampe fürs Navi und Telefon könnte es noch reichen.

Abgebrochen will jetzt runter nach Wehr mit dem Bus nach Bad Säckingen und mit dem Zug nach Lauchringen und von dort die restliche 35-40km nach Stühlingen laufen.

Um 17Uhr 15 hatte ich den Busplatz erreicht, Bus fährt um 18Uhr5. Bahnhof Bad Säckingen um 18Uhr16 erreicht, Zug fährt um 18Uhr17. Bin Schwarzfahrer bin zu langsam zum Lösen einer Fahrkarte.

19Uhr bin in Lauchringen eingetroffen und mache mich nachdem ich das Navi neu eingestellt habe auf dem Heimweg. Das Navi und ich liegen im Clinsch jeder will was anderes. Will jetzt die erste Strecke ich keine sie von der Bundesstraße über eine Abkürzung Wut Öschingen erreichen.

Hier kommt der alte Mann in die Überschrift. Bin also zugelaufen, links meine bekannte Bundesstraße in weiter Entfernung, rechts im abstand von 1,5km das Navi. Also kann ich auch nicht so falsch liegen. Dann ein Bauernhof diesen Hof wollte ich für die Abkürzung benutzen. Der Bauer der erschien sagte ich noch ich will in diese Richtung nach Wutöschingen. Worauf dieser das läge viel weiter links ich müsste da so und so erklärte er zurück gehen. Also ging ich zurück. Aber nicht so wie er sagte nach einer Wegbiegung hinter einem anderen Haus folgte ich meiner weiteren Überlegung. Wer kam inzwischen quer über die Wiese mit dem Auto, mein lieber Bauer. Mit den Worten jetzt bist doch schon wieder falsch steig ein ich bringe dich wieder auf die richtige Straße. Also stieg ich ein und erzählte mir „ich soll um diese Zeit nicht mehr soviel herum laufen jetzt ist es schon fast finster und laufe nicht so viel“. Diese Hilfsbereitschaft konnte ich kaputt machen, er vermutet in mir einen alten Mann, der nicht mehr weiß wo er hin will und hilfsbedürftig ist. Nein, ich wollte jetzt nicht unhöflich sein. Konnte ihm nicht sagen das ich das Navi noch laufen habe und dass ich es liebe nachts zu laufen und das ich Ultra laufe und gerade 151km gelaufen bin. Zum Schluss lässt er mich gleich einweisen in die Klapse. Er hat mich komplett bis zu meinem Auto gefahren und ich bin um meine restlichen 29km zu meinen geplanten 180km gekommen. Muss schon sagen man wird in meinem Alter anders angesehen zuvorkommend, höflich, hilfsbedürftig, Rentnermäßig und wenn man dann mal erzählt, dass ich noch voll arbeite und soviel soweit laufe dann hängen ihnen die Augen raus.